Neue Vorträge: VHS Recklinghausen digital - Wissen im Livestream

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Lernen geht immer. VHS trotz(t) Corona

Der Kursbetrieb der VHS Recklinghausen ist wegen Covid-19 bis zunächst zum Ende der Osterferien am 19. April unterbrochen. Aus diesem Grund haben wir unser Kursangebot um Online-Vorträge erweitert. Diese Online-Vorträge sind Teil des Programms der "Kooperation vhs.wissen live". Wir danken der Volkshochschule im Landkreis Erding und der Volkshochschule SüdOst im Landkreis München für die schnelle und kollegiale Zusammenarbeit. https://www.vhs-wissen-live.de/

Die Vorträge werden als Livestream im Internet übertragen. Der Livestream startet ca. 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung, vorher ist kein Login möglich! Hier finden Sie Informationen zum Livestream und zur technischen Umsetzung mit Zoom.

 

Anmeldung per E-Mail

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Unsere Online-Vorträge

 

Brasilien: Die Zerstörung der Demokratie unter Jair Bolsonaro

Von 1964 bis 1985 regierten Diktatoren den größten lateinamerikanischen Staat. Auch in den Jahrzehnten davor hatte es Phasen der Diktatur gegeben. Mit der Verfassung von 1988 schien die Gefahr systematischer staatlicher Willkür gebannt und der Wille zu einer transparenten demokratischen Kultur besiegelt zu sein. Die Regierungen von Luiz Inácio Lula da Silva und Dilma Rousseff brachten Brasilien internationale Wertschätzung ein: durch ihre Sozialpolitik und ihr Bemühen, Rassismus und und Diskriminierung - das Erbe der ehemals größten Sklavenhaltergesellschaft auf dem amerikanischen Kontinent - zu überwinden.

Mit der Wahl von Jair Messias Bolsonaro zum Präsidenten Brasiliens wird das Land um Jahrzehnte zurückgeworfen, werden politische Errungenschaften zerstört. Wie ist der Wahlerfolg Bolsonaros zu begründen? Welche Gefahren birgt seine Politik für die Zukunft Brasiliens?

Ursula Prutsch ist Professorin am Amerika-Institut der LMU München. Sie unterrichtet US-amerikanische und lateinamerikanische Geschichte. Sie schrieb unter anderem (mit Enrique Rodrigues-Moura) eine Kulturgeschichte Brasiliens (2013), eine Biographie über Eva Perón (2015) und ein Buch zu Populismus in den USA und Lateinamerika (2019).

Mittwoch, 27. Mai 2020
19:30–21:00 Uhr

Prof. Dr. Ursula Prutsch

 

 

Die "Ibiza Affäre"

Im Mai 2019 veröffentlichte die Südddeutsche Zeitung gemeinsam mit dem Spiegel das Ibiza-Video, das ein politisches Erdbeben in Österreich auslöste. Der österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache trat von allen Ämtern zurück, die Regierung zerfiel, es wurden Neuwahlen ausgerufen.

Die SZ-Redakteure Leila Al-Serori und Bastian Obermayer erzählen von den Recherchen, den Folgen und wie sie ein Jahr später auf die Ereignisse blicken.

Eine Veranstaltung aus der Reihe vhs.wissen live SPEZIAL.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung statt.

Donnerstag, 28. Mai 2020
19:30–21:00 Uhr

Leila Al-Serori und Bastian Obermayer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herrschaft der Dinge. Eine neue Geschichte des Konsums und ein Blick auf morgen

Was wir konsumieren ist zu einem bestimmenden Aspekt des modernen Lebens geworden. Wir definieren uns über unseren Besitz, und der immer üppigere Lebensstil hat enorme Folgen für die Erde. Wie kam es dazu, dass wir heute mit einer derart großen Menge an Dingen leben, und wie hat das den Lauf der Geschichte verändert?

Frank Trentmann, Historiker am Birkbeck College der Universität London, erzählt in Herrschaft der Dinge erstmals umfassend die faszinierende Geschichte des Konsums. Von der italienischen Renaissance bis hin zur globalisierten Wirtschaft der Gegenwart entwirft er eine weltumspannende Alltags- und Wirtschaftsgeschichte, die eine Fülle von Wissen bietet, den Blick aber ebenso auf die Herausforderungen der Zukunft lenkt angesichts von Überfluss, Klimawandel und Turbokapitalismus. Im Vortrag und der danach folgenden Diskussion werden konventionelle Sichtweisen von Shopping hinterfragt und der Blick auf die Rolle des Staates und die der Zivilgesellschaft für den Aufstieg der Konsumenten und unsere heutigen Lebensweisen gerichtet. Eine Geschichte des Konsums liefert einen unverzichtbaren Beitrag zu den wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Debatten unserer Zeit.

Frank Trentmann ist Professor für Geschichte am Birkbeck College der Universität London. Er studierte und promovierte an der Harvard University und lehrte anschließend in Princeton. 2017 erhielt er von der Alexander von Humboldt-Stiftung den Humboldt-Forschungspreis.

Dienstag, 2. Juni 2020
19:30–21:00 Uhr

Prof. Dr. Frank Trentmann

Copyright: Jochen Braun

 

 

 

Der Code der Macht: Wer beherrscht den digitalen Raum?

Vom utopischen Gründergeist der frühen Entwicklungsjahre des Internets – als Ort des freien Wissens und der Unabhängigkeit - ist nicht mehr viel übrig. Regierungen zensieren das Netz und errichten elektronische Sperrzäune, Geheimdienste saugen gemeinsam mit Tech-Giganten private Nutzerdaten ab, Troll-Fabriken verbreiten Fake-News und torpedieren ganze Wahlkämpfe. Das Internet, so der bittere Befund, ist kaputt. Und niemand hat eine Strategie, wie man es reparieren kann. Viel schlimmer: Mit Sensoren, Kameras und Mikrofonen bauen wir unser eigenes Datengefängnis, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Tech-Konzerne wie Apple, Amazon und Google ließen Vertragsarbeiter reihenweise Audio-Mitschnitte ihrer Nutzer auswerten: Patientengespräche, Drogengeschäfte, Sex - minutiös wurde das Leben der Anderen protokolliert. Ist es mit der Privatsphäre endgültig vorbei?

Der Journalist und Buchautor Adrian Lobe analysiert in seinem Vortrag diese tektonischen Machtverschiebungen in der digitalen Gesellschaft, er erklärt die Fallstricke smarter Gadgets, die nicht die digitalen Diener sind, als die sie vermarktet werden, und er zeigt Lösungen auf, wie man sich aus dem Klammergriff der Datenkraken befreien kann.

Adrian Lobe studierte in Tübingen, Paris und Heidelberg Politik- und Rechtswissenschaft und arbeitet für verschiedene Zeitungen im deutschsprachigen Raum. 2016 wurde er mit dem Preis des Forschungsnetzwerks Surveillance Studies ausgezeichnet, 2017 erhielt er den ersten Journalistenpreis der Stiftung Datenschutz.

Donnerstag, 25. Juni 2020
19:30–21:00 Uhr 

Adrian Lobe

 

 

 

Achtung Terminänderung:

Auf der Suche nach Eindeutigkeit. Wie die Flucht vor Ambiguität Gesellschaft und Kultur verändert

Während die Welt immer komplexer wird, ist gleichzeitig - nicht nur in westlichen Gesellschaften - ein Rückgang an Ambiguitätstoleranz festzustellen. Die Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten, Ungewissheiten zu ertragen, andere Sichtweisen gelten zu lassen, ist offensichtlich weltweit im Schwinden begriffen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Gesellschaft, etwa auf die Akzeptanz von Demokratie, sondern auch auf jene Bereiche der Kultur, die auf Ambiguitätstoleranz angewiesen sind, ja dazu beitragen könnten diese in der Gesellschaft zu stärken wie Theater, Kunst und Musik. Auch ein auf möglichst schnelle und effiziente Ausbildung gerichtetes Bildungssystem lässt immer weniger Raum für spielerische Kreativität.

Thomas Bauer ist Professor für Arabistik und einer der besten Islamwissenschaftler. Er ist von der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2013 mit dem renommierten Leibniz-Preis ausgezeichnet worden. Zuletzt ist von ihm bei C.H. Beck das Buch "Warum es kein islamisches Mittelalter gab. Das Erbe der Antike und der Orient" erschienen.

Freitag, 1. Januar 2021
19:30–21:00 Uhr 

Prof. Dr. Thomas Bauer

Copyright: Julia Holtkötter



 

 

 

 

Vergangene Online-Vorträge:


Was ist Antisemitismus? Ein Überblick über aktuelle Formen der Judenfeindschaft

Der Begriff Antisemitismus taucht nahezu täglich in den Medien auf. An Meldungen über Angriffe auf Juden und jüdische Einrichtungen haben sich die meisten Deutschen schon fast gewöhnt. Und selbst wenn Ereignisse wie der versuchte Anschlag auf die jüdische Gemeinde in Halle kurzfristig für öffentliche Empörung sorgen, sind diese nach ein paar Tagen schon wieder vergessen. Dieser Gleichgültigkeit versucht die Politik mit Warnungen vor einem „neuen 1933“ entgegenzutreten. Der Blick richtet sich damit automatisch auf die extreme Rechte, die tatsächlich einen großen Teil antisemitischer Straftaten zu verantworten hat. Doch darf der Antisemitismus, wenn er wirksam und in all seinen Erscheinungsformen bekämpft werden soll, nicht auf den alten und neuen Nationalsozialismus reduziert werden. Vielmehr ist er als gesamtgesellschaftliches Phänomen zu analysieren, das in einer langen europäischen (und islamischen) Tradition steht. Der Vortrag gibt einen Überblick über aktuelle Formen der Judenfeindschaft.

Dr. Philipp Lenhard ist Akademischer Rat a. Z. am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er forscht zur jüdischen Geschichte der Neuzeit. Zuletzt erschien von ihm die Biographie "Friedrich Pollock. Die graue Eminenz der Frankfurter Schule" (Suhrkamp, 2019).

 

Mittwoch, 6. Mai 2020
19:30–21:00 Uhr

Dr. Philipp Lenhard

Copyright: Tom Hauzenberger

 

 

Das große Nein: Eigendynamik und Tragik des gesellschaftlichen Protests

Klimaproteste, Gelbwesten, PEGIDA, Occupy, Hongkong, Arabellion - die Anlässe sind vielfältig, die Inhalte unterschiedlich, und doch ist all diesen Protestbewegungen eines gemein: ihre formale Ähnlichkeit. Protest wird dann wahrscheinlich, wenn Interessen, Geltungsansprüche und Kritik an sich selbst erleben, dass sie sich in den eingefahrenen Routinen einer trägen Gesellschaft nicht durchsetzen können. Einerseits wird Protest damit zum Demokratiegenerator, versucht andererseits aber jener Vetospieler zu sein, den moderne Gesellschaftsstrukturen nicht zulassen. Die Grenzen, an die der Protest hierdurch stößt, initiieren eine merkwürdige Steigerungslogik und münden in einer strukturell tragischen Konstellation: In den Mühlsteinen der Gesellschaft, die es schafft, alle Opposition zu integrieren, verpufft der Protest. Der Herausgeber des Kursbuchs erklärt, wie aus Kritik Protest wird, wie er eingebettet ist in die Kommunikationslogik unserer Zeit, wie sich seine Eigendynamik entfaltet und worin genau die Tragik des Protests besteht.

Der Herausgeber des Kursbuchs und Professor für Soziologie an der LMU München erklärt, wie aus Kritik Protest wird, wie er eingebettet ist in die Kommunikationslogik unserer Zeit, wie sich seine Eigendynamik entfaltet und worin genau die Tragik des Protests besteht.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Kursbuch Kulturstiftung.

Dienstag, 14. April 2020
19:30–21:00 Uhr 

Prof. Dr. Armin Nassehi

Copyright: Hans Günther Kaufmann

 

(Digitale) Bildung in der Krise - Schaffen wir jetzt den Sprung in die Zukunft?

Alles, was Bildungseinrichtungen jetzt tun, hätte schon lange begonnen werden müssen. Die Digitalisierung, der Ausbau individuellerer, flexiblerer Lernwege, sind kein Notnagel und Ersatz für Präsenzveranstaltungen. Sie sind Teil eines Weges, den das gesamte Bildungssystem so oder so gehen muss. Wie gehen wir also damit um, wenn jahrelange Entwicklungen plötzlich in Wochen vollzogen werden müssen? Wie stellen wir gutes, gerechtes und effektives Lernen sicher? Und was bleibt nach der Krise? Marina Weisband erzählt aus Theorie und konkreter Praxis in digitalen Bildungsprojekten und gibt Orientierung zur demokratischen, gesellschaftlichen und technischen Entwicklung des Lernens.

Marina Weisband wurde 1987 in der Ukraine geboren und kam 1994 als Kontingentflüchtling nach Deutschland. Von 2011 bis 2012 war sie politische Geschäftsführerin der Piratenpartei. Die Schwerpunkte der Autorin und Diplompsychologin sind Partizipation und Bildung. In ihrem Buch "Wir nennen es Politik" schildert sie Möglichkeiten neuer politischer Partizipation durch das Internet. Seit 2014 leitet sie bei politik-digital.de das aula-Projekt zur Demokratisierung von Schulen.

Donnerstag, 9. April 2020
19:30–21:00 Uhr

Marina Weisband

Copyright: Tibor Bozi

 

Live aus der Pinakothek der Moderne - Hauptkonservatorin stellt Werk von Andy Warhol vor

Die Corona-Krise gibt Anlass zur Betrachtung des Bildes „Aids/Jeep/Bicycle“ von Andy Warhol aus der Sammlung der Pinakothek der Moderne. Corinna Thierolf, Leiterin der Sammlung „Kunst ab 1945“ in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, stellt das 1985/86 entstandene Gemälde vor. Das Werk ist Zeugnis von Warhols Auseinandersetzung mit der Aids-Pandemie, die Mitte der 1980er Jahre existentielle Erschütterungen und Verluste in der Gesellschaft ausgelöst hat und vielfach als „apokalyptischer Reiter“ beschrieben wurde.

Corinna Thierolf Ist Hauptkonservatorin in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München und kuratierte als Referentin für Kunst ab 1945 zahlreiche Ausstellungen in der Pinakothek der Moderne, darunter zum Werk von Joseph Beuys, Dan Flavin, Arnulf Rainer, John Chamberlain. Als Autorin und Herausgeberin von Publikationen widmete sie sich der nordamerikanischen Kunst und dem Schaffen von John Cage, Willem de Kooning, Walter de Maria, Dan Flavin, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Wolfgang Laib, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, Fred Sandback, Fabienne Verdier und Jerry Zeniuk. 2018 erschien die Veröffentlichung ihrer Gespräche mit Heiner Friedrich, einflussreicher Galerist sowie Begründer der New Yorker Dia Art Foundation und der Stiftung DASMAXIMUM in Traunreut.

Dienstag, 21. April 2020
16:00–17:00 Uhr

Dr. Corinna Thierolf

Copyright: Bayrische Staatsgemäldesammlungen: Haydar Koyupinar

 

 

 

Künstliche Intelligenz. Fakten - Chancen - Risiken?

Künstliche Intelligenz ist nicht länger nur eine akademische Disziplin. Seit Produkte der KI-Forschung marktfähig geworden sind, seit Computer immer leistungsfähiger werden und immer größere Mengen an Daten zur Verfügung stehen, beginnen "intelligent" genannten Algorithmen immer mehr Bereiche unseres Lebens zu verändern.

Nie zuvor haben so viele Menschen zu Künstlicher Intelligenz geforscht, nie zuvor wurde so viel Geld in ihre Entwicklung investiert: nicht mehr nur von Universitäten und dem Militär, sondern auch von Unternehmen. Und wir sind hin- und hergerissen zwischen Verheißungen, die von autonomen Fahrzeugen über Roboterbutler bis zur individualisierten Medizin reichen, und Schreckszenarien von Manipulationen und Fakes über den Überwachungsstaat bis zur Machtübernahme der Maschinen.

Der Vortrag versucht zuerst zu klären, warum diese Technologie uns zugleich so verwirrt und so fasziniert. Er skizziert die Geschichte der KI, die Versuche, das Unternehmen zu definieren, und die drei wichtigsten Ziele: die Suche nach intelligenten Lösungen für konkrete Probleme, etwa Übersetzungssystemen; den Versuch, durch Nachbauen intelligentes Verhalten von Tieren und Menschen besser zu verstehen; und das besonders ambitionierte Projekt, eine allgemeine künstliche Intelligenz, auch Human Level Intelligence oder Starke KI genannt, zu schaffen.

Der Vortrag skizziert die "klassische" Künstliche Intelligenz und das maschinelle Lernen, insbesondere das Deep Learning, dem wir den aktuellen Boom der KI verdanken, samt seinen Vor- und Nachteilen. Schließlich wird es um neuere Projekte gehen, in denen sich Forscher für die Weiterentwicklung der KI wieder stärker am Menschen, d.h. an Erkenntnissen der Neuro- und Kognitionswissenschaften über das Funktionieren der menschlichen Intelligenz, orientieren.

Manuela Lenzen hat an der Universität Bielefeld in Philosophie promoviert und schreibt als freie Wissenschaftsjournalistin und Sachbuchautorin vor allem Themen aus den Bereichen Kognitionsforschung und Künstliche Intelligenz. Sie ist zudem in Teilzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. 2018 erschien ihr Buch "Künstliche Intelligenz. Was sie kann und was uns erwartet" (C.H. Beck Verlag).

Mittwoch, 22. April 2020
19:30–21:00 Uhr

Dr. Manuela Lenzen

Copyright: Martin Klaus

 

 

 

Die Biologie der glücklichen Liebe: Alles Evolution - oder könnten wir auch ganz anders?

Die romantische Liebe ist einer der großen Mythen unserer Zeit. Sie wird verehrt und verdammt, sie kann quälende Eifersucht und tiefste Verzweiflung, aber auch höchstes Glück bedeuten, Freundschaften zerstören und moralische Systeme hinwegfegen.

Woher kommt die Macht der Sexualität und der Liebe? Im Vortrag werde ich berichten, wie sich das Liebesleben der Menschen und ihre sexuellen Vorlieben aus biologischer Sicht verstehen lassen. Warum beispielsweise haben wir sehr viel häufiger und sehr viel spielerischer Sex, als es zur Fortpflanzung nötig ist? Und was lässt sich zur Vielfalt der Beziehungsformen sagen? Können wir tatsächlich frei entscheiden, wann, wie und wen wir begehren? Vielleicht ist die Zweierbeziehung ja wirklich die beste Form menschlichen Zusammenlebens -  vielleicht aber auch nicht. Einigermaßen sicher wird man das erst beantworten können, wenn man sie möglichst unvoreingenommen mit konkurrierenden Modellen - dem Singleleben, der Polygamie, der Polyamorie und anderen - verglichen hat.

Prof. Dr. Thomas Junker lehrt Geschichte der Biowissenschaften an der Universität Tübingen. Von 1992-1995 war er Mitherausgeber von Darwins Briefwechsel in Cambridge (England). Er hat zahlreiche Bücher und Artikel zur Geschichte und Theorie der Evolutionsbiologie und Anthropologie veröffentlicht.

In den aktuellen wissenschaftlichen und weltanschaulichen Kontroversen hat er sich öffentlichkeitswirksam und engagiert für die Vermittlung evolutionsbiologischer Kenntnisse eingesetzt.

Donnerstag, 23. April 2020
19:30–21:00 Uhr

Prof. Dr. Thomas Junker

 

 

 

Lesung in ital. Sprache live aus Florenz: „Lettera a Eichmann“ in Kooperation mit dem Deutschen Institut Florenz und dem Teatro dell’Elce di Firenze

LETTERA A EICHMANN Reading da “Noi figli di Eichmann” di G. Anders All’indomani della condanna e dell’esecuzione di Adolf Eichmann, uno dei principali esecutori materiali dell’Olocausto, processato in Israele tra il 1961 e il 1962, il filosofo tedesco Günther Anders scrive una lettera al figlio, Klaus Eichmann, esortandolo a fare i conti con la sua eredità morale. Con lo scorrere delle pagine emerge un dubbio:l’eredità di Klaus non è forse la stessa di tutti noi, figli di un’epoca meccanizzata in cui il mostruoso potrebbe nuovamente manifestarsi con facilità? Siamo forse tutti figli di Eichmann?

Lettera a Eichmann fa parte del progetto “Lighthouse”, che prevede la produzione, di anno in anno, di una serie di reading di testi legati in modo più o meno diretto alla cultura civile.

Impossibilitati ad un evento dal vivo che avrebbe previsto l’attore in uno spazio circolare al centro del pubblico questa lettura avverrà in videoconferenza ZOOM, uno strumento moderno che tuttavia favorisce una grande intimità all’ascolto e con il quale la forza della parola di questo testo viene ulteriormente amplificata.

Eine Veranstaltung aus der Reihe vhs.wissen live SPEZIAL.

Freitag, 24. April 2020 · 20:30–21:30 Uhr

Referent: Compagnia Teatro dell’Elce (Firenze)

 

 

 

 

 

Kein Ende der Gewalt? Wie kann eine Friedensethik im 21. Jahrhundert aussehen?

In der Friedensethik vollzog sich in den vergangenen Jahrzehnten ein Paradigmenwechsel: Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Frage, unter welchen Bedingungen die Anwendung militärischer Gewalt gerechtfertigt sein kann, sondern welche Wege zum Frieden führen. Der Vortrag analysiert die Kriegserfahrungen und Friedenshoffnungen der Menschen von der Antike bis zur Gegenwart. Er verfolgt die Entwicklung der Lehre vom gerechten Krieg und skizziert die Herausforderungen einer Friedensethik für das 21. Jahrhundert. Dabei zeigen sich auch im Konzept des gerechten Friedens Spannungen und Widersprüche. Das Ziel der angestrebten Gewaltfreiheit gerät mit der Schutzverantwortung für Menschen in Not in Konflikt. Der Vortrag analysiert dieses ethische Dilemma und zeigt konstruktive Wege zu seiner Überwindung.

Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff zählt zu den führenden katholischen Theologen. Er ist Professor für Moraltheologie an der Universität Freiburg und ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und des Deutschen Ethikrates.

Dienstag, 28. April 2020
19:30–21:00 Uhr 

Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff

Copyright: Theologische Fakultät der Universität Freiburg

 

 

Überlegungen zur Frage des Antisemitismus

Wo liegen die Ursprünge antisemitischen Denkens? Was heißt es, jüdisch zu sein, ohne den definierenden Blick des Antisemiten? Und wie hängen Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit zusammen?

Über diese Fragen diskutiert die Journalistin Géraldine Schwarz mit Delphine Horviller. Delphine Horvilleur ist eine von drei Rabbinerinnen Frankreichs und eine der einflussreichsten Stimmen des liberalen Judentums in Europa. 2020 erschien bei Hanser der Essay „Überlegungen zur Frage des Antisemitismus“, in dem sie die fatalen Parallelen von Antisemitismus, Faschismus und Misogynie beleuchtet. Dabei spannt sie den Bogen von religiösen Texten bis hin zur politischen Gegenwart. Ihr Buch eröffnet uns eine neue Perspektive auf eine alte Frage, die sich in unserer Gegenwart erneut mit großer Dringlichkeit stellt.


Delphine Horvilleur, geboren 1974 in Nancy, ist Rabbinerin und die Leitfigur der Liberalen Jüdischen Bewegung Frankreichs (MJLF). Sie ist Herausgeberin der Zeitschrift Tenou’a und Autorin mehrerer Bücher zum Thema Weiblichkeit und Judentum. Überlegungen zur Frage des Antisemitismus ist ihr erstes Buch in deutscher Übersetzung.


Géraldine Schwarz, geboren 1974 in Straßburg, ist eine deutsch-französische Journalistin, Autorin und Dokumentarfilmerin. Sie lebt in Berlin. Als langjährige Deutschlandkorrespondentin der Agence France-Presse (afp) publiziert sie in verschiedenen internationalen Medien. Ihr Roman Die Gedächtnislosen – Erinnerungen einer Europäerin (Secession, 2018) wurde mit dem Europäischen Buchpreis ausgezeichnet.

Sprache: Französisch

Eine Veranstaltung aus der Reihe vhs.wissen live SPEZIAL.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Goethe-Institut Paris statt.

Freitag, 8. Mai 2020
16:00–17:00 Uhr

Delphine Horvilleur und Géraldine Schwarz

 

Delphine Horvilleur. Copyright: JF Paga Grasset

 

Géraldine Schwarz. Copyright: Mathias Bothor

 

 

Impfstoff aus Zucker gegen Krankenhauskeime?

Bakterielle Infektionen sind auch heute noch eine der wichtigsten Todesursachen, nicht nur in Entwicklungsländern sondern auch in Deutschland. Krankenhauskeime, die gegen immer mehr Antibiotika resistent sind, stellen eine echte Bedrohung für uns dar und kosten viel Geld. Impfstoffe sind die volkswirtschaftlich günstigste Methode die Bevölkerung vor solch tödlichen Erregern zu schützen. Die bakteriellen Erreger sind von einem charakteristischen „Zuckermantel“ umgeben den das menschliche Immunsystem erkennen muss um die Erreger zu bekämpfen. Peter Seeberger hat eine chemische Methode entwickelt um diese Zucker schnell nachzubauen und als Grundlage für die Entwicklung neuartiger Impfstoffe einzusetzen. Er berichtet über das Konzept und seine Umsetzung um Menschen vor resistenten Krankenhauskeimen zu schützen.

Peter H. Seeberger ist Direktor der Abteilung Biomolekulare System am Max-Planck Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung und beschäftigt sich hauptsächlich mit der Chemie und Biologie der Zucker. Er war Professor am MIT (Cambridge, USA) und danach an der ETH Zürich. Seit 2009 leitet er das MPI in Potsdam und ist Professor an der FU Berlin. Seine Forschung wurde mit mehr als 30 internationalen Preisen (z.B. Körber Preis 2007) ausgezeichnet und führte zur Gründung von bisher sieben Firmen.

Moderation: Felix Hütten, Süddeutsche Zeitung

Eine Veranstaltung aus der Reihe vhs.wissen live SPEZIAL.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Max-Planck Gesellschaft und der Süddeutschen Zeitung statt.

Donnerstag, 14. Mai 2020
19:30–21:00 Uhr

Prof. Dr. Peter H. Seeberger

 

Copyright: Prof. Dr. Peter Seeberger

 

 

Gerd Müller oder "Wie das große Geld in den Fußball kam"

Sie nannten ihn das "achte Fußball-Weltwunder" - und meinten damit Gerd Müller, der als Torjäger noch heute alle Rekorde hält. Wer war dieser Mann, der vom Provinzkicker aus ärmlichsten Verhältnissen zum Weltstar aufstieg, reich wurde und dann nach einem Ausflug in das Fußballentwicklungsland Amerika alkoholsüchtig in der Gosse landete?

Der Historiker Hans Woller schildert in diesem Vortrag die Etappen dieser ungewöhnlichen Karriere - aus kritischer Distanz und zugleich voller Empathie. Die Geschichte des FC Bayern München ist dabei stets präsent. Müllers Verein etablierte sich in den 1960er und 1970er Jahren an der Spitze des europäischen Fußballs, bewegte sich aber immer am Rande des finanziellen Ruins. Wie die Insolvenz abgewendet werden konnte, welche zwielichtige Rolle dabei die bayerische Staatsregierung und die CSU spielten und in welchem Maße Superstars wie Müller oder Beckenbauer von diesen Machenschaften profitierten, ist bisher noch nie so eindringlich dargestellt worden. Fußballgeschichte wird hier zur Zeitgeschichte, die damit eine neue wissenschaftliche Dimension gewinnt.

Der Referent war bis zu seiner Pensionierung als Chefredakteur am Institut für Zeitgeschichte in München. Er gilt als einer der besten Kenner der jüngeren italienischen Geschichte.

Montag, 18. Mai 2020
19:30–21:00 Uhr 

Dr. Hans Woller